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Bauernhof entdecken

Bauernhofpädagogik, Pflanzen

Samenbomben selber ma(ts)chen

Ich hatte die Bomben eigentlich in Blumenpralinen umbenannt, aber irgendwie hat sich das bei den Kindern nicht durchgesetzt. Egal, es geht so oder so darum Erdkugeln zu formen, die mit Blumensamen gefüllt sind. Auf diese Weise kann man die Welt und den eigenen Balkon etwas bunter und insektenfreundlicher gestalten. Sehr friedliche Bomben also 😉

Die Idee zu den Samenbomben stammt übrigens aus der „Guerilla-Gardening-Szene“, die in den 1970er Jahren entstand. Schon damals begannen die Menschen in großen Städten Samenbomben als Protest gegen Betonwüsten und Umweltverschmutzung zu werfen. Triste Innenstädte sollten heimlich verschönert werden. Man darf die Kugeln natürlich auch ganz unpolitisch in den eigenen Garten legen und mit etwas Glück (und etwas Wasser) wachsen die schönsten Blumen aus den kleinen Dingern. Man muss sie nicht eingraben und wenn es regnet auch nicht gießen 😉

Das Rezept möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Samenbomben selber machen

Also, man nehme:

  • 5 Esslöffel Gartenerde
  • 4 Esslöffel Tonpulver
  • 1 Esslöffel Blumensamen
  • etwas Wasser

Die trockenen Zutaten müssen in einer Schüssel gut durchgemischt werden. Das können auch schon kleine Kinder ganz alleine (und meist machen sie es viel gewissenhafter als die Großen). Dann wird esslöffelweise Wasser hinzu gegeben. So, dass ein klebriger Teig entsteht aus dem sich gut Kugeln formen lassen. Als Tonpulver habe ich Heilerde verwendet, das hatte ich noch. Es hat damit gut funktioniert. Die Kugeln halten sehr gut zusammen. Das Matschen bringt natürlich Spaß und hat was von Frikadellen machen. Wir haben die fertigen Pralinenbomben in einen Eierkarton gelegt. Dort konnte jedes Kind seinen Namen drauf schreiben, damit es auch das eigene Werk mit nach Hause nimmt.

Man kann die Samenbomben richtig trocknen lassen, dann halten sie auch einige Zeit. Wir haben sie einfach direkt in den Garten gelegt und siehe da, es wächst schon was 🙂

 

 

P.S. Das Titelbild ist abfotografiert aus der Zeitung. Ich weiß: mega professionell! Aber als die Journalistin da war und unsere Jahreszeitenwerkstatt begleitet hat, habe ich ganz vergessen selber Bilder zu machen 🙁 Dafür hatten wir aber einen riesigen Artikel in der Lokalpresse übertitelt mit: Blumige Bombenleger mit Matsch-Händen am Werk

 

 

Löwenzahn
Bauernhofpädagogik, DIY, Naturmaterialien, Pflanzen

Löwenzahn Experimente und Basteleien

Nachdem hier alles gelb war, ist nun alles weiß und wir pusten ganz viel. Ich stelle immer wieder fest, dass die Pusteblumen einen so hohen Reiz auslösen – man kann einfach nicht wiederstehen. Es muss gepustet, geschüttelt oder irgendetwas mit dieser Blume gemacht werden.

Löwenzahn

Aber auch mit dem gelben Löwenzahn lässt sich einiges anstellen. Zwei Ideen stelle ich euch heute vor.

Mit den Blumen kann man ganz einfach malen. Löwenzahn zum Beispiel oder irgendetwas anderes gelbes. Dafür muss nur die Blüte über das Papier gerieben werden und es entsteht ein herrlich gelber Ton. Das können auch schon kleine Kinder gut. Ich muss allerdings dazu sagen, dass es vergängliche Kunst ist. Nach ca. einer Woche verblasst das Gelb allmählich.

Löwenzahn

 

Für größere Kinder ist das Löwenzahnexperiment sehr spannend. Zuerst werden Löwenzahnblüten mit einem langen Stiel gesucht und dann in ein Wasserglas gestellt. Nun ritzt man die Stiele mit einem scharfen Messer an einem Ende leicht ein und stellt sie wieder in das Glas mit Wasser. Der Stiel reißt ein und rollt sich entlang der Ritze auf. Das sieht wirklich toll aus. Die Kunstwerke können aus dem Glas genommen und bestaunt werden. Wer Lust hat, kann dann noch die Osmose erklären (kann man aber auch lassen 😉 )

Löwenzahn

 

 

Tiere

Kühe mit ohne Milch

Heute haue ich mal wieder ein paar erstaunliche Erkenntnisse aus der Landwirtschaft raus 😉

Wenn ich erzähle, dass wir Kühe haben, dann reagieren erschreckend viele mit: Oh, dann müsst ihr ja immer melken! Nein, das tun wir nicht. So gar nicht. Denn bei uns trinken die Kälber die ganze Milch der Mutter. Verrückt, oder?

Je länger ich darüber nachdenke, desto schräger finde ich, dass ich das immer erklären muss. Schließlich geben sie ja genau aus dem Grund Milch – für ihre Kälber. So, wie wir auch. Und wie bei uns Menschen auch, kommt da nur Milch raus, wenn ein Baby da ist. Also bekommen die Milchkühe ca. 1 Mal im Jahr ein Kind, damit’s weiter gut läuft. Ohne Kalb, keine Milch.

Zurück zu uns. Wir haben Fleischrinder. Die geben natürlich auch Milch (für ihre Kinder – wie alle Säugetiere) aber wir halten sie wegen des Fleisches. Wenn sie groß genug sind, gehen sie zum Schlachter und landen dann irgendwann auf den Tellern.

Das Ganze nennt man übrigens Mutterkuhhaltung. Wir haben also eine Herde netter Muttis (und Anton – ohne den läuft natürlich nichts), die jedes Jahr ein Kalb bekommen. Das Kalb trinkt die Milch der Mutter, frisst sich dann irgendwann so durch die Weide, turnt rum und macht, was Kälber sonst so tun. Wenn sie größer sind werden sie dann entweder selber Mutti, verkauft oder geschlachtet. Die Möglichkeiten sind da vielfältig.

Kalb Baumhoers Lippeauenblick

Wir betreiben hier nicht gerade das, was man moderne Landwirtschaft nennt, aber irgendwie so funktioniert es wohl überall.

So, jetzt wissta Bescheid 😉

 

Pflanzen

Wildkräuter aus der Hexenküche

Wildkräuter sammeln mit Kindern

Wenn ich nicht gerade im Hühnerstall war, habe ich als Kind am liebsten gekocht. Mit Blättern, Blüten, Gräsern und was wir sonst noch so gefunden haben. Hexenküche haben wir das genannt. Keine Ahnung, ob wir dabei schon an mittelalterliche Kräuterhexen gedacht haben. Auf jeden Fall waren wir davon überzeugt, dass wir etwas ganz besonders Gutes gezaubert haben – in Spiel, natürlich. Heute bin ich auch davon überzeugt, dass wir etwas ganz besonders Gutes zaubern können aus dem was wir draußen finden – aber in Echt.
Kochen mit Wildkräutern ist wieder In und den Trend mache ich gerne mit. Allerdings setzt es voraus, dass man sich erst mit den Pflanzen beschäftigt und sie kennenlernt. Dann muss man sie auch noch suchen und finden … einkaufen gehen ist unkomplizierter. Macht aber nicht so viel Spaß.


Jetzt wo draußen alles sprießt ziehen wir gerne mit unserem Körbchen (und dem Bestimmungsbuch*) los und sammeln Wildkräuter. Oft das, was andere in ihrem Garten als Unkraut bekämpfen. Uns gefällt das. Manchmal denke ich sogar, es ist mit das sinnvollste, was ich mit meinem Kind unternehmen kann. Wir sind draußen in der Natur, bewegen uns, reden miteinander, lernen gemeinsam mehr über die Pflanzen, entdecken Neues, erleben die Vielfalt, schauen nicht nur genau hin, sondern schärfen all unsere Sinne. Wir riechen, fühlen und probieren. Mir ist wichtig, dass unser Kind lernt, dass essbares draußen wächst und nicht aus dem Supermarkt kommt. Und dazu gehören eben nicht nur die Erzeugnisse aus der Landwirtschaft, sondern noch ganz viel mehr.


Ich bin wirklich keine Wildkräuterexpertin, aber Schritt für Schritt erweitere ich mein Wissen und traue mich an immer mehr Pflanzen. Über ihre Heilwirkung weiß ich noch wenig. Oft schmeiße ich alles einfach in den Mixer und mache einen grünen Smoothie. Manchmal kommen sie auch in den Salat oder Quark. An den bitteren Geschmack von vielen Wildkräutern muss man sich erst gewöhnen, denn das bittere kommt auf unserem Speiseplan kaum noch vor. Aus vielen Gemüsen wurde es heraus gezüchtet. Wir kennen es kaum noch und wenn es vorkommt, dann ist bitter oft negativ besetzt. Aber die Bitterstoffe sind sehr gesund.

Einladung zum Wildkräuternachmittag bei uns

Wer mehr über die Wildkräuter in unserer Region erfahren möchte ist herzlich zur Führung und Verkostung in unserem Cafe eingeladen. Schon seit einigen Jahren bietet eine Naturpädagogin das bei uns an (und ich bin ihr größter Fan 😉 ) Es ist immer ein ganz wunderbarer Nachmittag mit vielen Informationen, Geschichten und den erstaunlichsten Köstlichkeiten.


Die Führung ist ein guter Grundstein, um in das Thema einzusteigen und danach mit den Kindern die Kräuterwelt zu entdecken …

oder Tierspuren …

Wenn man erst Mal draußen ist, gibt es so viel zu erleben 🙂

Also, entdecke deine Heimat!

 

*Und das sind die Bücher, die wir mit in den Wald nehmen:

Essbare Wildkräuter und Wildbeeren – Naturführer für unterwegs

Mein Erstes Was lebt im Wald?

(Amazon PartnerLink)

Wochenende in Bildern

Frei sein – statt frei haben

Was wir gerne an Sonn- und Feiertagen machen.

Den Zaun kontrollieren zum Beispiel. Das ist eine wunderbare Runde durch ein tolles Gelände am Fluss entlang. Wir tuckern so vor uns her und ab und zu muss ein Riegel erneuert werden (zugegeben ich bin fürs tuckern zuständig und der Mann fürs Riegeln). Unsere neugierigen Kühe folgen uns fressend und das Hofmädchen thront auf dem Trecker und kommentiert alles.

frei sein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn wir am Wasser angekommen sind steigen wir ab und gehen auf Entdeckungstour. Hier ist es einfach fantastisch und durch die Renaturierungsmaßnahmen wieder ein Lebensraum für die unterschiedlichsten Tiere.

Am Steilhang hat sich einiges eingenistet und man kann drauf klettern 😉

 

 

 

 

Unter dieser Trauerweide ist es besonders schön. Wir haben uns einen Ast mitgenommen um irgendwann zuhause auch so einen tollen Baum zu haben.

 

 

 

 

Tja, war das jetzt Arbeit? Der Zaun ist nun ausgebessert und das war auch nötig. Wir versuchen so oft wie möglich das was getan werden muss mit dem angenehmen zu verbinden. Das Gute darin zu sehen. Klappt nicht immer. Aber immer öfter.

Vor einiger Zeit entdeckte ich das Buch Frei sein statt frei haben: Mit den eigenen Ideen in die kreative berufliche Selbstständigkeit* und der Titel sprach mich so an, dass ich es einfach kaufen musste. Als ich dann neulich die ersten Zeilen dieses Buches las, saß ich vor der Schwimmhalle und wartete das Ende des Schwimmkurses unserer Tochter ab. Da der Kurs auf dem Gelände einer Behinderteneinrichtung statt findet, setzte sich prompt eine Beschäftigte neben mich. Sie ließ sich auf die Bank plumpsen und sagte mit echtem Bedauern in der Stimme: „Schon wieder Feierabend.“  Wir hören oft voller Mitleid den Satz: „Na ihr bekommt auch kein Feierabend.“ Klar macht der Hof viel Arbeit und er hat uns schon die eine oder andere schlaflose Nacht beschert, aber wir haben uns bewusst für ihn entschieden. Wir hatten eine Wahl und nun liegt es in unserer Verantwortung hier zufrieden zu sein. Unseren Alltag so zu gestalten, dass er uns gefällt. Klappt auch nicht immer. Aber immer öfter. Heute zum Beispiel.

 

Über unseren Fluss habe ich schon so einiges geschrieben hier und hier zum Beispiel.

Dieser Artikel ist Teil der Aktion Wochenende in Bildern. Ich musste gerade lachend feststellen, dass wir im letzten Sommer auch einen Zaun-Sonntag hatten und ich bei der Aktion mitgemacht habe. Die Bilder davon findet ihr hier.

*Affiliate Link = Falls ihr das Buch über diesen Link kauft, verdiene ich daran ein paar Cent – ohne, dass es euch mehr kostet. Falls das passieren sollte – Dankee!

Interview mit Deichdeern
Menschen

Interview mit der Deichdeern

Landweiliges Landleben? Von wegen!

Neulich hatte ich das große Vergnügen Julia Nissen vom Blog Deichdeern kennen zu lernen. Das hat mich total gefreut, denn ich mag ihren Blog über das Landleben sehr. Julia lebt mit Mann und Kind im hohen Norden auf dem Dorf und arbeitet im Bereich Landwirtschaft. Nebenbei schreibt sie über ihr gar nicht langweiliges Landleben, über ihre Entdeckungen in der Nachbarschaft, über tolle Frauen mit guten Ideen, über Kreatives, übers Mama-sein und manchmal auch über landwirtschaftliche Themen, aber mit einer Schleife drum, so dass es jeder versteht und oft sehr witzig ist. Apropos witzig, bei ihren Insta-Stories lache ich mich regelmäßig schlapp. Ganz große Empfehlung 😉

Aber nun, vier Fragen an die Deichdeern:

Was macht das Landleben so spannend für dich?

Es sind die Menschen, die es so spannend machen. Man unterstützt sich gegenseitig und ist bestens vernetzt. Die Kinder können sich austoben und haben ein besonderes Verhältnis zur Natur. Das verleiht ihnen eine gewisse Selbständigkeit. Und, was ich auch toll finde, man achtet auf einander. Wenn ich außer Haus bin, schauen die Nachbarn nach dem Rechten und genau so ist es umgekehrt. Gegenbeispiel: Als ich damals in Berlin gelebt habe, hätte ich drei Wochen tot in der Wohnung liegen können ohne, dass es irgendjemand gemerkt hätte. Das würde auf dem Land nicht passieren.

Und was nervt?

Bis vor kurzen nervte mich die schlechte Internetverbindung, aber das ist nun auch passé. Seit Weihnachten 2016 sind wir ans Glasfasernetz angeschlossen und „high speed“ unterwegs. Ansonsten nervt, dass manche Straßen so holperig sind. Ich hatte bis vor kurzem ein altes BMW Cabrio. Da waren regelmäßig die Federn gebrochen. Nun gut, entsprechend habe ich meine Karre jetzt angepasst.

Zieht es dich manchmal nicht auch in die Stadt?

Na klar, gerne sogar. Ich brauch die Balance aus Stadt und Land. In der Stadt lasse ich mich inspirieren hinsichtlich Trends. Ich möchte mich schließlich nicht abhängen lassen. Ein Blick über den Tellerrand ist für mich und meine persönliche Entwicklung extrem wichtig.

Deichdeern

Landwirtschaft macht Spaß, weil…

… hinter jedem Erzeugnis ein Mensch steht. Und dahinter wiederum eine Bauernfamilie, die seit Generationen in der Landwirtschaft tätig ist. Ich sehe folglich nicht nur das Produkt, sondern weiß wie viel Kraft, Mühe und Fleiß, aber auch Geduld in der Herstellung steckt. Ich vertraue unseren Bauern sehr und vermittle dieses Vertrauen und die Wertschätzung auch an unser Kind weiter.

Bauernhofpädagogik Jahreszeitenwerkstatt
Bauernhofpädagogik

Jahreszeitenwerkstatt

Nun kommt sie endlich, die richtige Hofsafari!

Ich freue mich wie Bolle, denn nach den Osterferien geht bei uns auf dem Hof die erste Jahreszeitenwerkstatt los. Also endlich mal eine Möglichkeit für Kinder den Hof in echt unter die Lupe zu nehmen. Jetzt fragt ihr euch was um Himmels Willen eine Jahreszeitenwerkstatt sein soll? Klingt ungefähr so sperrig wie Bauernhofpädagogik, oder? Ist aber beides total spannend 😉

Im letzten Jahr habe ich die Ausbildung zur Bauernhofpädagogin gemacht und gelernt wie man Kindern den Bauernhof und die Natur wieder erfahrbar machen kann. Es ist mir (zu meiner eigenen Überraschung) zu einem echten Anliegen geworden, Kindern zu zeigen woher unser Essen kommt und mit ihnen die Kreisläufe in der Natur zu erleben. Ich gebe es zu, ich halte das kaum aus, wenn ich merke, dass sie überlegen auf welchem Baum wohl die Kartoffel wächst oder welches Tier die H-Milch gibt. Da muss ich etwas machen 🙂

Und bevor ich vor Ideen platze und weil so ein Bauernhof mit viel Feld, Wald und Wiese drum herum der ideale Ort ist um die Natur zu entdecken, starte ich die Jahreszeitenwerkstatt. Das heißt, dass eine feste Kindergruppe ein Mal im Monat zu uns kommt und den Bauernhof in der jeweiligen Jahreszeit ganz bewusst miterlebt. Wir werden die Tiere versorgen, uns mit den Pflanzen beschäftigen, basteln, bauen, kochen und natürlich ganz viel Spielen.

Mit allen Sinnen stürzen wir uns in das Abenteuer Heimat!

 

Termin:

Mittwoch 15.00Uhr-18Uhr

(26.April, 24.Mai, 21.Juni, 19.Juli, 13. September, 11.Oktober, 8.November, 6.Dezember)

Leitung:

Corinna Baumhoer (zertifizierte Bauernhoferlebnispädagogin)

Kosten:

150€

Geschwisterkind 130€

Alter:

5-10 Jahre

Ort:

Baumhoers Lippeauenblick

Göttinger Straße 22

59329 Wadersloh

 

Mehr zum Konzept

Anmedlung per Mail an info@baumhoers-lippeauenblick.de

Basteln, Bücher, Pflanzen

Frühlings-Detektive

Unsere liebste Frühlingsbeschäftigung

Wir sind den Frühlingsboten auf der Spur und spielen Detektive. Wir finden die ersten Blätter der Schneeglöckchen, ertappen kleine Kätzchen oder verfolgen singende Vögel. Es macht so einen Spaß nach dem Frühling ausschau zu halten und die eigene Vorfreude zu zelebrieren. Hat man die Kinder erst auf einige Spuren aufmerksam gemacht, entdecken sie meist viel mehr als die Erwachsenen. Unser Hofmädchen ist dann immer im totalen Detektiv-Fieber.

Ganz große Schneeglöckchenliebe

Dabei haben es uns die Schneeglöckchen besonders angetan. Bisher können wir hier nur ihre Blätter bestaunen, aber die sind schon sehr beachtlich. Schließlich schaffen sie es sich durch den gefrorenen Boden zu bohren. Wenn man sie anfasst, merkt man schon, dass sie sehr fest sind. Die zarten und empfindlichen Knospen sind in ein hartes, spitzes Blatt eingehüllt. Mit diesem bohren sie sich tatsächlich langsam aber sicher durch den harten Boden. Erst über der Erde öffnet sich das Blatt, wie ein Geschenk. Ein warmer Frühjahrsregen würde den kleinen Glöckchen ordentlich auf die Sprünge helfen, denn dadurch taut die obere Bodenschicht schneller auf und macht sie weich. So können die Blätter quasi aus der Erde schießen.


Wenn sie es dann aus der Erde geschafft haben und ihre Blütenglocken zeigen, müssen sie einiges abkönnen. Wetter-technisch ist im Februar ja noch alles drin. Aber die süßen kleinen Glöckchen sind gut gerüstet und haben einen integrierten Frostschutz. In ihren Blättern befindet sich ein Zucker, der verhindert, dass sie einfrieren und somit nicht innerlich zerfetzen (weil sich das Wasser ausdehnt, wenn es friert). Den kostbaren Nektar schützen sie bei schlechtem Wetter, indem sie die Blütenglocke fest verschließen und auf wärmere Tage warten.

Wenn wir demnächst mal wieder drinnen auf wärmere Tage warten, basteln wir weiter an unserer Schneeglöckchenwiese 😉

Schneeglöckchen basteln

 

Wer noch mehr schlaue Sachen über Blumen wissen möchte, schaut in dieses Buch: Die Garten-Detektive: Mit vielfältigen Experimenten, Spielen, Bastelaktionen, Geschichten und Rezepten den blühenden Frühjahrsboten auf der Spur*

 

*Affiliate Link = Falls ihr das Buch über diesen Link kauft, verdiene ich daran ein paar Cent – ohne, dass es euch mehr kostet. Falls das passieren sollte – Dankee!

 

Dieser Artikel ist Teil der Aktion „Zeig mir deinen schönsten Frühjahrsbeitrag“ von Frau Schweizer.

Menschen

Meine Tochter – meine Lehrerin

Es gibt nur eine Sache bei der ich relativ schnell die Nerven verliere und das ist die Ungeduld meiner Tochter. Damit treibt sie mich regelmäßig zur Weißglut. Und diese Ungeduld hat sie von mir. Kinder können einem so schonungslos den Spiegel vorhalten. Ich mag meine Ungeduld nicht, weder an mir, noch an ihr, aber wenn sie für irgendetwas gut ist, dann dafür, dass sie mir zeigt, wie sehr ich Vorbild bin. Oder besser Vor-Macherin, ich mache vor – sie macht nach. Egal was. Auch meine schlechten Seiten.

In letzter Zeit denke ich immer öfter, dass ich ihr gerne mehr nach-machen möchte. Sie hat so viele Eigenschaften und Fähigkeiten, auf die ich richtig neidisch bin:

  • Ins eigene Tun versinken
  • Im Moment leben
  • Steine und Schneckenhäuser als Schätze ansehen können
  • Sich über ein Bonbon unendlich freuen
  • Die Zuversicht, dass alles möglich ist
  • Der Blick für die kleinen Dinge
  • Sagen was man denkt
  • Unfähigkeit zu lügen
  • Aufs Bauchgefühl hören

Besonders gerne würde ich mehr im gegenwärtigen Moment leben. Im Hier und Jetzt und nicht schon mit dem Kopf in der Planung der nächsten Woche stecken. Das fällt mir wirklich schwer. Sie jedoch, kann gar nicht anders als im Jetzt zu sein. Was morgen ist? Interessiert sie nicht!

„Kinder sind unsere wirklichen Lehrer.
Lerne ihnen zuzuhören –
sie erzählen dir von der Schönheit und der
Sorglosigkeit, die du nur im gegenwärtigen
Moment wiederfindest.“
Tibetische Weisheit


Ich frage mich, wie ich ihr diese Fähigkeit erhalten kann? Wie schaffe ich es, dass sie ein achtsamer Mensch bleibt? Was kann ich tun, dass sie als Erwachsene kein Achtsamkeitstraining besuchen muss (so wie ich) und dieses Bewusstsein erst mühsam wieder einüben muss? Hab ich da überhaupt ausreichend Einfluss oder gewöhnen Schule und Gesellschaft eh alles ab?
Eigentlich egal. Ich habe nur die eine Möglichkeit. Ich möchte ein achtsames Vorbild sein und das gelingt mir oft am besten indem ich ihr nach-mache.

  • Ich bleibe auch stehen, bewundere ausdauernd den Regenwurm und scheuche sie nicht weiter.
  • Ich versuche so viel am Wegesrand zu entdecken, wie sie.
  • Ich schaue die Dinge an, als würde ich sie zum ersten Mal sehen.

Mit Kinderaugen sehen, eröffnet so viele Möglichkeiten. Mir hilft das sehr bei der Arbeit auf dem Hof. Wie oft sind wir in unsere Vorstellungen eingefahren, meinen wir zu wissen, wie es sein muss und glauben alle Möglichkeiten zu kennen. Wenn man Dinge anders machen möchte und neu in die Hand nehmen will, dann sind Kinder die besten Lehrer.

„Im Geist eines Anfängers gibt es
unendlich viele Möglichkeiten,
im Geist eines Experten nur wenige.“
Shunryu Suzuki

Bauernhofpädagogik

Die Schatzkiste der Bauernhofpädagogik

Was Bauernhofpädagogik alles sein kann

Im vergangenen Jahr habe ich die Ausbildung zur Bauernhofpädagogin gemacht. Genauer, zur Bauernhoferlebnispädagogin. Ein Wahnsinnswort, das für mich eine wirklich intensive und lehrreiche Zeit beschreibt. Besonders viel lernen durfte ich dabei von Christine Hamester-Koch. Eine tolle Frau, die das Talent hat, andere tolle Frauen um sich zu sammeln. (Ja, ein paar Männer sind manchmal auch dabei.) Anfang Januar hat sie gleich 70 spannende Menschen aus ganz Deutschland und Luxemburg auf ihren Ellernhof eingeladen. Die Szene der Bauernhofpädagogen traf sich.

Pädagogik auf dem Bauernhof?

Nein, wir bringen den Schweinen nicht das Lesen bei und erziehen auch keine Esel. Bauernhofpädagogen machen Kindern und Erwachsenen die Landwirtschaft erfahrbar. Tiere und Natur dürfen mit ihrer Hilfe (wieder)entdeckt werden. Wie unglaublich vielfältig bauernhofpädagogische Angebote dabei sein können, ist mir an diesem Wochenende auf dem Ellernhof mal wieder klar geworden.

Auf vielen Höfen ist es möglich den Kindergeburtstag auszurichten oder das Kinder einen Jahreszeitenkurs besuchen, d.h. dass sich eine feste Kindergruppe ein Mal im Monat trifft, um den Hof und die Natur an dem Tag bewusst erleben zu dürfen. In den verschiedensten Angebotsformaten werden Geschichten auf dem Heuboden gelesen, am Lagerfeuer gekocht, kreatives aus Naturmaterialien gebastelt oder die Hoftiere versorgt, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Andere begrüßen besonders alte Menschen und Demenzerkrankte bei sich und laden sie zu einer Erinnerungsreise anhand von Gerüchen und alten Gegenständen, die sie sehen und fühlen können, ein.

Viele Landwirte haben neben den allgemeinen Angeboten noch spezielle Themen für sich entdeckt. Manche haben besondere Tiere, Alpakas zum Beispiel. Carl und Dörte Rusch brachten gleich welche mit, um zu verdeutlichen, wie sie mit ihnen arbeiten und wie diese unglaublichen Tiere als Seelenöffner wirken können.

Birgit Erichsen spricht gerne Platt und ist der Meinung, dass Plattdeutsch und Bauernhof einfach zusammen gehören. Während sie in den Kursen auf ihrem Hof mit den Kindern Kerzen gestaltet spricht sie ausschließlich so, wie sie es am liebsten mag und führt die Teilnehmenden somit ins Kreative und die Sprache ein. Learning by doing.

Melanie Göppert hat ihre Leidenschaft für Naturseifen entdeckt. Im Schwarzwald auf dem Biohof der Familie siedet sie mit Gruppen Seifen. „Dank“ der zahlreichen Allergien läuft auch ihr online-shop wie verrückt.

Das es nicht immer einen Hof braucht, um bauernhofpädagogisch zu arbeiten, zeigt uns Selina Wild. Sie fährt mit ihrer kleinen Hühnerschule in Kindergärten, Grundschulen und ist für Veranstaltungen buchbar. Anhand von aufgebauten Stationen und den mitgebrachten Hühnern zeigt sie, wo die Eier und das Fleisch her kommen.

Daniel Diehl lebt und arbeitet mitten in Berlin. Mit seinem Konzept Boden begreifen hat er schon Schüler und Schülerinnen aus über 40 Berliner Schulen raus auf den Acker gelockt. Begeistert und mit erdigen Händen sprach er davon wie viel Leben in einer Hand voll Boden ist. Er lies uns in der Erde wühlen, Regenwürmer zählen und machte anschaulich, wie viel CO2 im Boden steckt.

Menschen in das verliebt machen, was sie noch nicht kennen

Noch viel länger ist die Liste, der Leute, die ihre tollen Projekte vorgestellt haben. Besonders besonders an ihnen ist, dass sie das tun, was sie gut können und was ihnen ein echtes Anliegen ist. Sie lieben die Landwirtschaft – trotz allem. Sie jammern nicht, sondern möchten ihren Hof mit Leben füllen, Menschen an ihrer Arbeit und ihrem Wissen teilhaben lassen und begeistern. Natürlich geht es auch um alternative Einkommensquellen, den Wandel, der sich in der Landwirtschaft vollzieht zu gestalten und die Dinge neu in die Hand zu nehmen. Das erfordert nicht nur Mut, sondern manchmal braucht es auch den Austausch und die gegenseitige Unterstützung, die ein solches Treffen und vor allem auch Christine Hamester-Koch bieten. Sie ist die Frau, die Menschen verliebt macht, in das was sie noch nicht kennen und wirkt dadurch unglaublich inspirierend und motivierend. Sie nimmt die Herausforderungen so an, wie sie ihr begegnen und hat mittlerweile ihre Ideen aus der Bauernhofpädagogik in den Business Bereich hineingehoben. Auf ihrem Ellernhof (Fotot unten) leitet sie die Akademie für Natur und Business. Unter dem Motto natürlich, einfach, echt macht sie diesen wunderbaren Ort erlebbar. Ganze Abteilungen aus großen Firmen kommen in das außergewöhnliche Tagungshotel. Sie nutzen die Natur als Tagungsraum und freuen sich, wenn sie mal wieder gemeinsam am Tisch sitzen dürfen und sagen könne: Bitte reichen sie mir die Butter.

Schatzkiste Landwirtschaft

Und darum geht’s: zu erkennen, wo die eigenen Schätze liegen. Aus einer Bodenständigkeit heraus neue Horizonte zu eröffnen und die eigene Idee groß zu machen. Es braucht nicht viel: eine Hand voll Boden, ein Huhn oder eine gute Geschichte. Den Rest schaffen die Menschen, die den Schatz entdeckt haben.