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Ostern im Stall

Oder: Unser erstes Flaschenkälbchen

Von Weihnachten im Stall habe ich ja schon gehört. Das soll es irgendwann mal gegeben haben. Erzählt man sich so. Aber Ostern im Stall …

Das hatten wir in diesem Jahr zum ersten Mal. Genau so, wie wir zum ersten Mal ein Flaschenkälbchen haben. Aber der Reihe nach.

Am Karsamstag wurde das erste Kälbchen in diesem Frühjahr geboren. Mitten in der großen Wiese, ganz ohne unsere Hilfe. So, wie das hier üblich ist. Als wir es entdeckt haben, haben wir ihm direkt Ohrmarken verpasst. Das muss man immer recht zügig machen, bevor das Kalb zu munter wird und man in der Wiese hinter ihm her rennen kann.

Ostern im Stall

Ohrmarkenzange

Ostern im Stall

Beim Ohrmarke einsetzen entnimmt man gleichzeitig eine Blutprobe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Mutter hat sich direkt verdrückt, kein Trockenlecken, kein Säugen, gar nichts. Sie kam auch nicht mehr wieder 🙁

So haben wir die ganze Herde am Morgen des Ostersonntag in eine kleinere Wiese nahe unserem Haus getrieben, die beiden separiert und gehofft, dass die Mutter sich ihrem Kälbchen nähert. Aber die Muttergefühle stellten sich einfach nicht ein. Im Gegenteil, wenn der kleine Bulle am Euter trinken wollte bekam er einen mit. Die Mutter trat nach ihrem Kind. Echt unerhört!

Deshalb kamen die beiden in den Stall. Die Alte wurde festgebunden, so dass das Junge nun endlich trinken konnte. Aber auch das hat nicht geklappt. Massiver Wiederstand!

In der Zwischenzeit wurde das Osterfrühstück in den Stall verlegt.

Ostern im Stall

Unsere Übernachtungsgäste (wir bieten auf unserem Hof Stellplätze für Wohnmobile an über Landvergnügen) gesellten sich zu uns und überlegte mit, was man noch tun könnte. Wir waren mittlerweile recht ratlos, hatten wir so einen Fall doch noch nie. Irgendwann verschwand einer von ihnen, kam wieder und sagte: „Ich habe gerade mit meiner Schwägerin telefoniert und die beschäftigt sich mit Homöopathie bei Milchkühen.“ Wir: „Hä?“ Er: „Mutterkuh und Kalb müssen mit einer Paste aus Anisbutter, Salz und Wasser eingerieben werden. So haben die beiden den gleichen Geruch und die Mutter nimmt ihr Kalb an.“ Gesagt, getan. Hat allerdings nur zu einer kurzen Annäherung geführt. Schade. So etwas finde ich ja toll (wenn’s klappt).

Ostern im Stall

Nachdem diese Rabenmutter immer aggressiver ihrem Kälbchen gegenüber wurde und wir schon Angst hatten, dass sie es an der Stallwand zerquetschte, haben wir sie wieder in die Wiese entlassen. Sie war sichtlich froh darüber.

An melken war bei diesem ungestümen Tier natürlich nicht zu denken und so bekam der kleine Kerl auch nicht die eigentlich wichtige Biestmilch (Kolostrum). Das ist die erste Milch, die die Mutter bildet. Sie ist besonders gehaltvoll und wichtig für die Immunabwehr.

Biestmilch konnten wir nicht organisieren, dafür aber Milchpulver und so gab es dann irgendwann die erste Flasche …

Ostern im StallOstern im Stall

 

 

 

 

 

 

 

 

… und die zweite und die dritte und …

Ostern im Stall halt.

Mit allen.

Es war nicht ungemütlich.

Ostern im Stall

sorgt immer für Ordnung

Ostern im Stall

nichts verpassen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und irgendwie ist so ein Kuschelkalb auch Mal was Nettes. Wenn mein Mann den Stall verlässt, blökt es ganz herzzerreißend.

Mittlerweile trinkt unser Mäxchen sehr gut und noch macht uns das Füttern großen Spaß. Ich bin gespannt, wie es sich entwickelt – das Kalb und die Fütterei. Denn auf so einem lustigen Nebenerwerbs-Bauernhof, wie wir einen haben, ist die ganze Nummer ein krasser Zeitfresser. Auch finanziell ist es nicht wirklich attraktiv. Dafür sind wir auf jeden Fall um eine Erfahrung reicher 🙂

Ich werde euch auf dem Laufenden halten!

 

P.S. Heute gibt es Mal nur Handybilder. Aber so oder so werde ich wohl keine große Stallfotografin. Deshalb ist das Titelbild gemogelt. Das ist ein Kalb aus dem letzten Jahr.

 

 

 

Nutria Biber
Tiere

Biber oder Nutria ?

Diese Frage stellten wir uns mal wieder, als wir vor ein paar Tagen aus dem Fenster schauten und etwas kleines dickes Braunes durch unsere Wiesen wackeln sahen. Leider konnten wir es auf die Entfernung nicht erkennen.

Kennt ihr den Unterschied zwischen Biber und Nurtria?

Kennt ihr überhaupt Nutria?

Erst mal zum Biber:

Seit 2010 gibt es ihn wieder in der Lippe. Bevor irgendwelche Ansiedelungspläne umgesetzt werden konnten, ist er von alleine gekommen und hat es sich gemütlich gemacht. Er baut zwar Staudämme, die Lippe ist aber zu breit, als das er irgendwelchen Schaden anrichten könnte. Seine Spuren sind dennoch sichtbar.

BiberBiber

 

 

Biberrutsche

Biberrutsche: Hier wird das Holz in die Lippe transportiert

Wo war der Biber denn in den letzten Jahren?

In den Mägen unserer Vorfahren, an ihrer Kleidung oder in der Aspirin (zumindest das Düsensekret Bibergeil). So galt der Biber vor 180 Jahren hier als ausgerottet.
Jetzt ist er wieder da! Herzlich Willkommen liebe Biberbande.

So, nun zu den Nutria:

Die kennt kaum jemand. Es gibt sie hier aber viel häufiger als den Biber. Im Gegensatz zu dem hier heimischen Biber sind Nutrias (und auch Bisamratten) in Deutschland eigentlich fremd. Nutrias kommen aus Südamerika (Bisamratten aus Nordamerika). Bei uns lebten sie anfangs nur auf Pelztierfarmen und dann irgendwann auch in der freien Natur. Nutria sehen aus, wie irgendetwas zwischen Bisamratte und Biber. Deshalb werden sie auch gelegentlich Biberratte genannt. Sie sind nicht ganz so groß wie ein Biber und haben auch einen anderen Schwanz (keine Schwanzkelle, sondern einen kreisrunden, wenig behaarten). Wer mehr über die genauen Unterschiede wissen möchte klickt hier.
(Ein skurriles Detail: bedingt durch die Pelztierzucht gibt es sie in den unterschiedlichsten Farben).

Auf die Entfernung oder aber im Wasser bleiben sie jedoch schwierig zu unterscheiden.
Manchmal kommen die Nutria auch ganz nah an unser Haus und wir können sie ziemlich genau erkennen. So, wie diese kleine Familie, die im letzten Jahr für einige Wochen in unserem Garten lebte.

Nutria BiberNutria

 

 

 

 

 

 

Nutria Familie

Tiere

Fridolin und Berta – Gans selten

So heißen unsere beiden Lippegänse.

Berta ist gescheckt, Fridolin ist ganz weiß. Mittlerweile haben sie drei gemeinsame Kinder, auch alle weiß.

Lippegänse

Aber erst natürlich gelb.

Wenn sie so daher watscheln, sehen sie aus als kommen sie direkt aus so einem romantischen Bilderbuch-Bauernhof. Ich finde sie richtig schön. (Mein Mann meint, sie sehen aus wie Gänse.) Ja, aber es sind eben besondere Gänse: Lippegänse. Nicht zu verwechseln mit irgendwelchen wilden Gänsen auf der Lippe. Die sind in der Regel grau – heißen ja auch so: Graugänse. Oder Nilgänse oder Kanadagänse. Unsere Lippegänse sind Weidegänse, d.h. sie gehören zu den Nutztieren. Sie sind heimisch in der Region Westfalen-Lippe im Einzugsgebiet der Flusslandschaft und Grünlandregion der Lippeniederung zwischen den Städten Lippstadt, Soest und Paderborn – und sie sind vom Aussterben bedroht. Genau, richtig gelesen! Nicht nur der sibirische Tiger steht kurz vor der Ausrottung, sondern auch einige bei uns lebende Bauernhoftiere.
„Viele Menschen wissen, dass Wildpflanzen und Wildtiere aussterben, aber nur wenigen ist bekannt, dass Ähnliches auch in der Landwirtschaft, gleich nebenan, mit Kulturpflanzen und Nutztieren passiert. Wenige Hochleistungssorten und -rassen produzieren heute die Nahrungsmittel der Menschheit. Gleichzeitig stirbt alle zwei Wochen eine Nutztierrasse aus – das heißt, eine an Klima und Standort angepasste Rasse, ein genetisches Erbe und ein Kulturgut zugleich.“ Quelle

So etwas macht uns traurig. Wir mögen Artenvielfalt und deswegen haben wir uns bei einer Stammbuchschau ein Lippeganspaar zugelegt. Dort wurde das Pärchen für uns „zusammen gestellt“. Eine arrangierte Ehe sozusagen, die Berta und Fridolin da eingehen mussten. Aber sie scheinen mir ganz glücklich damit.

Lippegänse Hofsafari

 

Und warum das Ganze?
Die Lippegänse wurden wirklich in aller letzter Minute vor dem Aussterben gerettet. Da gab es nur noch eine Handvoll – nun ist der Genpool denkbar klein, das muss man schon bedenken. Aber glücklicherweise denken manche Menschen ja und so hat sich ein Verein gegründet (Stammbuch Lippegans e.V.), der sich den Erhalt dieser lokalen Gänserasse auf die Fahne geschrieben hat. Aktuell scheint es nicht besonders IN zu sein, bedrohte Haustierrassen zu schützen, denn die Gänse sind immer noch stark gefährdet, aber immerhin gibt es sie noch.
Für uns ist das ja schon Grund genug so ein Paar zu besitzen. Aber wir werden ständig gefragt, was diese Rasse denn so besonders macht, was die können? Und ich muss immer antworten: Nichts! Darum geht es ja bei der Nummer mit der Artenvielfalt auch nicht. Eine Rasse ist doch nicht nur erhaltenswert, wenn sie lila Eier legt.
Gut die Lippegänse sind besonders marschfähig. Nur legt da heute keiner gesteigerten Wert drauf. Früher war das aber wichtig bei den langen Treibwegen von den Weiden der Lippeniederung zu den Bahnstationen.
„So kamen die Jungtiere im Alter von etwa 8 Wochen zum Verkauf auf die jährlich im Mai stattfindende Geseker Gösselkirmes und wurden dann vom Bahnhof Geseke aus per Eisenbahn in die Großmästereien vor allem nach Ostdeutschland verfrachtet.“ Quelle

Weiter kann man zu dieser Rasse lesen:
„frohwüchsig, anspruchslos, wenig krankheitsanfällig und wetterfest. Desweiteren ist die Rasse durch gute Beweglichkeit und Weidefähigkeit gekennzeichnet (Stoppelgängerin).“ Quelle
Keine Ahnung was frohwüchsig ist, aber es klingt super 🙂 Wir können noch ergänzen, dass diese Tiere unseren eher verpeilten Spitz (übrigens auch vom Aussterben bedroht und auf der roten Liste) gut unterstützen. Gänse sind definitiv die besseren Wachhunde!

Und hier wieder etwas für Besserwisser:

(gilt natürlich für alle Gänse, egal welche Rasse)

  • Gans: Oberbegriff/ weibliches Tier
  • Ganter/ Gänserich: männliches Tier
  • Gänseküken/ Gössel: männliche oder weibliche Tiere bis zum Alter von sechs Wochen

 

Fridolin

 

Rinderauktion
Ausflüge, Tiere

Rinderauktion

Samstagsvergnügen: Ein Ausflug zur Rinderauktion

Ein guter Vorsatz für 2016 war mehr Ausflüge zu machen, mehr raus kommen. Diesen Samstag durfte der Mann entscheiden wo es hin geht …

Er: Unsere Tochter findet das bestimmt auch total spannend! Ich: Klar. Dreijährige interessieren sich brennend für Deckbullen – weiß man ja.

Naja, aber sie lassen sich für alles begeistern was der Papa toll findet (und bei der Mama klappt das meistens auch), also los.

Rinderauktion

Wir waren bei der Deckbullenauktion vom Fleischrinder-Herdbuch Bonn. Dort gab es also nur dicke schwere Bullen, die möglichst oft Vater werden sollen. Diese lieblichen Tiere kann man für ein kleines Vermögen ersteigern – Auktion eben.

 

Rinderauktion

Wir brauchen so ein Tier nicht. In unserem kleinen Betrieb kann der Herr gar nicht so viele Damen beglücken, dass wir das Geld für den Kauf wieder raus bekommen würden. Interessant ist es trotzdem. Auf der letzten Auktion waren einige unserer Rinder ohne uns da und wurden verkauft, denn auf Auktionen gibt es meist die besten Preise. Dieses Mal waren wir einfach nur so da, zum gucken – Ausflug eben.

Rinderauktion

Erst werden alle Bullen ein Mal durch den Ring geführt und vorgestellt. Der engagierte Herr am Mikro lässt sich dazu allerlei einfallen. Also, sahen wir gut strukturierte leistungssichere Bullen, die übrigens fast alle homozygot hornlos sind, d.h. genetisch hornlos. Machen somit nur hornlose Kinder. Wenn es beim Käufer nicht mit dem erwünschten Rindersegen klappen sollte, gibt es einen Versicherungsschutz – macht Sinn bei den Preisen. Und damit niemand durcheinander kommt und versehentlich den falschen Bullen ersteigert, haben alle Tiere eine Nummer am Po kleben.

Rinderauktion

Der schlaue Bauer macht sich währenddessen Notizen im Auktionsheft.

Rinderauktion

Die schlaue Bäuerin natürlich auch.

Danach gibt es eine kleine Mittagspause und dann startet die Auktion. Das Ganze ist also durchaus ausflugstauglich, obwohl ich vorher bedenken hatte. Vor einer gefühlten Ewigkeit haben mein Mann und ich nämlich auf solchen Auktionen gearbeitet (ich, zugegeben, nur ein Mal – meine anderen Jobs schienen mir irgendwie sicherer) und da ging es zwischenzeitlich ganz schön abenteuerlich zu. Ist ja verständlich, die Rinder werden erst dort hin gekarrt, kommen dann in einen Stall und müssen schließlich durch lange glatte Gänge raus in die Manege getrieben werden. Der totale Stress, da geht schon Mal ein Tier durch. Ich erinnere mich an einige Hechtsprünge. Wir haben uns dann schnell für die Arbeit an der Waage oder beim Auktionator gemeldet. Die Treiber haben wirklich meinen größten Respekt. Im Zuschauerraum sitzt man aber heute ganz sicher, wenn auch hart. (Wer gut vorbereitet ist, bringt sich ein Kissen mit.) Eine Mitarbeiterin, die schon damals da war, meinte: Früher war mehr Rodeo! Es werden also alle ruhiger …

… dafür wird mehr dekoriert 😉

Rinderauktion

 

 

Ente
Rezepte, Tiere

Ente einfach

Was soll ich denn schreiben? Keine Ahnung, alles blöd, siehe hier.

Der Mann:

„Schreib doch etwas über die Enten. Die ersten gehen schließlich diese Woche zum Schlachter.“

Alles klar! Enten! Enten? Mir fällt jetzt erst auf, wie unglaublich langweilig ich diese Tiere finde.

Ente     Ente

Ente     Ente

Wir haben sie 1. zum Rasen kurzhalten und 2. zum essen. In der Reihenfolge. Irgendwann war mal die Devise: mehr Enten, weniger mähen und das klappt auch ganz gut. Aktuell haben wir ca. 50 Enten. Sie haben eine ziemlich große Fläche Grün im Griff. Wir müssen nur selten nachhelfen und z.B. große Disteln kürzen. Tja und so fressen sie halt den ganzen Tag vor sich hin. Sie könnten auch auf einem Teich schwimmen. Machen sie aber nur äußerst selten. Hab ich noch nie verstanden. Vielleicht, weil es Flugenten sind und keine Schwimmenten.

Ente

Seltener Ausflug aufs Wasser.

Fliegen können sie jedoch auch nicht weit, da sie irgendwann die Flügel gestutzt bekommen. Sollen ja schließlich nicht die Welt bereisen, sondern mal ein Weihnachtsbraten werden. Um Ostern herum sind sie von ihrer Mutter geduldig ausgebrütet worden und geschlüpft. Somit haben sie für Geflügel ein wahrscheinlich außergewöhnlich langes Leben.

Ente

Wir mästen auch nicht an ihnen herum, sie sollen ja schließlich das Gras fressen. Abends, wenn sie in den Stall gelockt werden, um vorm Fuchs in Sicherheit zu sein, bekommen sie etwas Weizen. Sonst nichts – natürlich auch keine Medikamente, warum auch?

Ente

Auf dem Weg in den Stall.

Und das schmeckt man dann! Unsere Enten sind sehr begehrt, weil es eben keine schnell mit Weizen, Mais oder was auch immer fett gemachten Tiere sind. Sie haben ein sehr mageres Fleisch, das zart und saftig auf der Zunge zergeht. Bei richtiger Zubereitung natürlich, aber die ist einfach.

 

Unser Ente einfach Rezept:

  1. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Die Ente eventuell in zwei Teile schneiden. Innen und außen waschen, trocken tupfen und das ganze Tier mit sehr viel Salz und Pfeffer einreiben. Falls vorhanden in einen Bräter legen, ansonsten auf ein tiefes Backblech. Etwas Wasser dazu geben.
  2. Die Ente ca. 2-2 ½ h im Ofen lassen. Die letzte halbe Stunde die Temperatur erhöhen. Während der gesamten Zeit das Tier immer wieder mit dem eigenen Saft begießen.

Wer die Ente bei uns kauft, bekommt sie ofenfertig, braucht also nur noch Salz und Pfeffer dazu.

Wer es etwas aufwendiger mag Ente mit Orangen oder Ente mit Aprikose. Auch sehr lecker!

Auf dem Tisch finde ich sie dann gar nicht mehr langweilig.

Ein paar hätten wir übrigens noch. Bei Interesse einfach melden 😉

 

Hofsafari Rinder
Tiere

Unsere Rinder

Oder: Er und unsere Rinder

Mein erster Artikel über ein Tier hat sich mit den Hühnern beschäftigt und ich habe gesagt: Ich mag Hühner! Für meinen Mann würde nun gelten: Ich mag Rinder! Das tut er wirklich.

Eine für mich nicht ganz nachvollziehbare Leidenschaft, finde ich diese Tiere in erster Linie – naja – groß. Aber er turnt sehr gerne zwischen ihnen herum, beobachtet sie, zählt sie, spricht über sie. (Nein, nicht mit ihnen. Soweit ist es dann doch noch nicht.) Und wenn ich ihn nachts wecke und einen Satz sage, der die Worte Kind und kotzt beinhaltet, sind seine Bewegungen eher schleppend. Sage ich aber irgendwas (noch so absurdes – ich habe das getestet), dass das Wort Rind beinhaltet, steht er direkt senkrecht im Bett.

Ja, die Rinder gefallen ihm wirklich gut.

Hofsafari und die Rinder

Bauer Heinrich

Manchmal denke ich, wegen denen sind wir hier. Denn ohne Rinder wär es irgendwie keine richtige Landwirtschaft und das war es ja was er wollte. Nicht im Büro rum sitzen, sondern draußen sein, Tiere versorgen, Heu machen und so.
Bisher hat das auch ganz gut geklappt. Wir haben mittlerweile ca. 20 Tiere. Sie laufen auf einer riesigen Fläche in den Lippeauen. Naturschutzgebiet! Alles was das Rinderherz begehrt: genug zu fressen, viel Bewegung, leckere Kräuter, frisches Wasser, keine Menschen (außer dieser Typ da gelegentlich).

Rinder Hofsafari

Von unserem Balkon aus, hat Mann die Herde meist ganz gut im Blick.

Gemolken wird nicht!

So und jetzt an alle Städter: Nein, wir melken die nicht! Das werde ich nämlich IMMER gefragt, wenn ich mal sage, dass wir Rinder haben. Manchen scheint es noch nicht aufgefallen zu sein, dass wir nicht nur Kuhmilch trinken, sondern auch Rindfleisch essen. Aber, wenn in Bilderbüchern die Kühe immer nur gemolken werden, kommt so etwas dabei rum.
Unsere sind übrigens braun und nicht lila. Sie heißen Limousin. Fleischrinder. Klingt grässlich, ist aber so. Diese Rasse ist sehr robust. Unsere Tiere laufen fast das ganze Jahr über draußen. Sie haben zwar die Möglichkeit rein zu gehen, aber in so milden Wintern, wie den letzten, interessiert sie der Stall herzlich wenig. Sie bekommen dann zusätzlich noch etwas Heu – aus eigener Produktion natürlich – und sind zufrieden.

Mutterkuhhaltung

Wir betreiben/ haben/ machen – da weiß ich nie das passende Wort – Mutterkuhhaltung. Das heißt, dass die Kälber nach der Geburt nicht der Mutter weggenommen werden, sondern so lange bei ihr bleiben, bis diese wieder ein neues Kalb bekommt. Dabei trinken die lieben Kleinen die ganze Milch der Mutter. Einmal im Jahr bekommen die Mutterkühe neue Kälber und auf diese Weise haben wir in den letzten Jahren erst einmal die Herde aufgestockt. Einen Bullen gibt es nämlich auch noch 😉

Rinder Hofsafari

Wenn wir sie schon essen, dann wenigstens ganz.

Ab dem kommenden Jahr soll dann geschlachtet werden. Wie wir das genau aufziehen steht noch nicht ganz fest. Auf jeden Fall Direktvermarktung. Bis dahin müssen wir noch lernen, wo das Schnitzel genau sitzt und was da sonst noch so raus kommt aus so einem Tier. Wir wollen es schließlich ganz verkaufen und nicht nur das Filet. Filet ist nämlich ziemlich wenig dran. Was wäre das für eine Verschwendung. Ich denke, dass sind wir den Rindern schuldig: Wenn wir sie schon essen, dann wenigstens ganz!

 

P.S. Ich spreche übrigens immer von Rindern, dann bin ich auf der sicheren Seite 😉 Ansonsten gilt:

Für Besserwisser

  • Rind = Oberbegriff für alle männlichen und weiblichen Tiere
  • Bullen = geschlechtsreifes, männliches Rind
  • Ochse = kastriertes, männliches Rind
  • Färse = weibliches Rind, das noch kein Kalb bekommen hat
  • Kuh = weibliches Rind, nachdem es das erste Kalb bekommen hat
  • Mutterkuh = Kuh, die nicht gemolken wird, sondern mit ihrer Milch ihr Kalb großzieht
  • Kalb = männliches oder weibliches Rind bis zum Alter von sechs Monaten
  • Milchkuh = Kuh, die zur Milchproduktion gehalten wird
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Hühnerhaufen

Ich mag Hühner

Das mein erster richtiger Blogartikel sich mit Hühnern beschäftigt ist eigentlich nicht verwunderlich. Die Hühner und ich wir haben schon eine lange gemeinsame Geschichte. Wir sind quasi tief verbunden. Schon als Kind habe ich mich am liebsten in unserem Hühnerstall aufgehalten. Der Hund und unser Pferd haben mich nie wirklich interessiert. Ich habe stattdessen Hühner dressiert. Zumindest meinte ich das zu tun. Auch wenn diese Tierchen wahrscheinlich weniger gut bzw. gar nicht aufs Wort hören, habe ich viel Zeit damit verbracht ihnen irgendetwas bei zu bringen. Was meist auch nur weniger gut bzw. gar nicht funktionierte, aber mir hats trotzdem gefallen (den Hühnern vermutlich nicht).

Huhn Kopf
Zugegeben, die Hühner, die wir heute haben, sind andere als damals und ich setzte sie mir auch nicht mehr auf den Kopf, aber irgendwie mag ich diese Tierchen trotzdem noch genauso. Obwohl sie etwas Hecktisches an sich haben (das liegt an ihren unbeweglichen Augen, deshalb müssen sie immer so zackige Bewegungen mit dem Kopf machen, um alles im Blick zu behalten), ist es doch sehr beruhigend ihnen zu zu sehen. Regelmäßig schießt mir dabei die Liedzeile „Ich wollt ich wär ein Huhn“ in den Kopf, denn tatsächlich haben sie nicht viel zu tun. Einfach nur ein bisschen im Boden rum scharren mal hier und mal dort vorbei schauen, Mulden in die Erde bauen und es sich darin gemütlich machen und bei dem ganzen Nichtstun trotzdem sehr produktiv sein.

„Ich wollt ich wär ein Huhn, dann hätt ich nichts zu tun. Ich lege jeden Tag ein Ei und Sonntags auch mal zwei.“

Wenn’s gut läuft: ein Ei am Tag und da wir Deutschen im Durchschnitt ca. 214 Eier im Jahr verspreisen, ist das ja wohl ein großer Dienst an der Gesellschaft. Selten essen wir das Ei einfach so, aber durch Nudeln, Kekse oder Kuchen ist es in unserem Speiseplan zahlreich vertreten.

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Die Bedingungen zum Eier legen sind bei uns ziemlich gut – soweit ich das als Nicht-Huhn beurteilen kann. Das gackernde Volk hat eine riesige Wiese in der es tun und lassen kann was es will. Einigen scheint das allerdings nicht zu reichen und sie unternehmen seit neustem regelmäßig Ausflüge in die nähere Umgebung. Man will ja schließlich etwas gesehen haben, so als Huhn von Welt. Irgendwie finde ich das auch ganz idyllisch, wie sie da so über den Hof tapsen. Würden sie nicht ständig etwas fallen lassen, wäre ich der Meinung: Freiheit für alle Hühner. Weglaufen tun sie nämlich nicht.
Wobei es einen ganz klaren Nachteil gibt: Während sie so in der Weltgeschichte rum scharren, entdecken sie anscheinend sehr ansprechende Legemöglichkeiten. Offensichtlich attraktiver als ihre Nester. Und so haben wir hier gerade jeden Tag Ostern!

Ostern forever !

Manchmal finden wir die Eier auch erst zu spät, aber es gibt da einen Trick:

Wisst ihr, wie ihr heraus bekommt, ob die schon ach-so-lange im Kühlschrank liegenden Eier noch genießbar sind?

  • Das Ei einfach in ein Wasserglas legen.
  • Frische Eier bleiben im Wasserglas unten.
  • Schwimmt das Ei jedoch oben, ist es nicht mehr genießbar.
  • Warum? Die Eierschale ist porös, Luft kann eindringen und die Luftkammer am dicken Ende wird größer.

Hahn auf dem Mist

 

Zurück zum Huhn.
Ich weiß aktuell gar nicht, was für Rassen wir da genau rumlaufen haben. Es hat sich so angesammelt könnte man sagen. Wir haben sie nur zum Eier legen und dann und wann kommt mal eins in die Suppe. Vielmehr kann man dann aus denen auch nicht mehr machen. Sie sind halt zum Eier legen da.

Das geht natürlich auch anders. Sogenannte Zweinutzungshühner. Also zum Eierlegen und zum Essen. Vor allem früher gab es die viel mehr. Heute ist ja immer alles sehr spezialisiert und gleichförmig. Entweder gutes Fleisch oder viele Eier. Das Deutsche Lachshuhn zum Beispiel bietet angeblich vorzügliches Fleisch und eine gute Legeleistung. Natürlich muss man dann immer Kompromisse machen. So machen diese Tiere auch ab und zu mal eine verdiente Legepause. Ist natürlich wirtschaftlich eher unpraktisch. Wahrscheinlich stehen sie auch deshalb schon auf der roten Liste. Unpraktisch kann ja kaum wer gebrauchen. Wir überlegen trotzdem uns welche anzuschaffen. Einerseits mögen wir Artenvielfalt, andererseits finde ich diese Tiere wirklich schön. (Ja, ich habe ein ästhetisches Empfinden für Hühner – dafür keins für Autos).

Also, wer Erfahrungen mit alten Rassen hat: Immer her damit!!